Blechbearbeitung umfasst verschiedene Verfahren zum Zuschneiden, Umformen, Fügen und Bearbeiten von Blechen. Im Spengler- und Dachdeckerhandwerk dient sie dazu, Blechmaterial maßgenau für Dacheindeckungen, Fassaden, Abdeckungen, Anschlüsse, Einfassungen, Entwässerungssysteme und individuell gefertigte Profile vorzubereiten.
Was ist Blechbearbeitung? Verfahren und Einordnung
Unter Blechbearbeitung werden unterschiedliche Arbeitsschritte zusammengefasst, mit denen Bleche in die gewünschte Größe und Form gebracht oder miteinander verbunden werden. Dazu gehören beispielsweise Schneiden, Spalten, Ablängen, Biegen, Kanten, Runden und Falzen.
Je nach Bauteil können mehrere Bearbeitungsschritte aufeinanderfolgen. Ein Blechband vom Coil kann beispielsweise zunächst auf die benötigte Breite gespalten und abgelängt werden. Anschließend wird der Zuschnitt auf einer Schwenk- oder Segment-Biegemaschine zum gewünschten Profil geformt.
Welche Bearbeitungsverfahren eingesetzt werden, richtet sich unter anderem nach Werkstoff, Materialdicke, Bauteilgeometrie und gewünschtem Ergebnis.
Anwendung in der Praxis
Im Spengler- und Dachdeckerhandwerk ist die Blechbearbeitung ein wesentlicher Bestandteil der Fertigung. Aus Tafeln oder Coils entstehen beispielsweise Kantprofile, Mauer- und Attikaabdeckungen, Ortgang- und Traufbleche, Kehlen, Verwahrungen, Anschlussbleche sowie Bauteile für die Dachentwässerung.
Verarbeitet werden unter anderem Titanzink, Aluminium, Kupfer und beschichtete Stahlbleche. Die Bearbeitung kann direkt in der Werkstatt oder mit geeigneten Maschinen und Werkzeugen auf der Baustelle erfolgen.
Für wiederkehrende Profile und größere Stückzahlen kommen häufig stationäre Maschinen zum Einsatz. Einzelstücke und Anpassungen können dagegen teilweise mit handgeführten Werkzeugen hergestellt werden.
Schneiden und Trennen von Blech
Vor der weiteren Formgebung muss Blech häufig zunächst auf die erforderlichen Abmessungen zugeschnitten werden. Für gerade Zuschnitte von Tafelblechen können beispielsweise Tafelscheren eingesetzt werden.
Spaltanlagen teilen Blechbänder vom Coil kontinuierlich in schmalere Streifen. Kombinierte Spalt- und Ablänganlagen können das Material zusätzlich auf eine vorgegebene Länge schneiden.
Für kleinere Zuschnitte und Anpassungsarbeiten stehen außerdem verschiedene Hand- und Elektrowerkzeuge zur Verfügung. Das geeignete Verfahren hängt von Material, Blechstärke, Schnittform und erforderlicher Genauigkeit ab.
Biegen, Kanten und Umformen
Nach dem Zuschnitt wird Blech häufig durch Biegen oder Kanten in die gewünschte Form gebracht. Schwenkbiegemaschinen eignen sich beispielsweise zur Herstellung gerader Kantungen und längerer Profile.
Segment-Biegemaschinen ermöglichen durch ihre einzeln angeordneten Werkzeugsegmente auch die Bearbeitung von Werkstücken mit bereits vorhandenen Aufkantungen. Sie werden deshalb unter anderem für mehrseitig gekantete und kastenförmige Bauteile eingesetzt.
Weitere Umformverfahren sind beispielsweise Runden, Bördeln und Falzen. Beim Falzen werden Blechkanten so geformt, dass sie miteinander verbunden werden können. Dieses Verfahren spielt insbesondere bei Metalldächern und verschiedenen Spenglerarbeiten eine wichtige Rolle.
Maschinen und Werkzeuge zur Blechbearbeitung
Für die Blechbearbeitung stehen manuelle, motorische und automatisierte Maschinen zur Verfügung. Typische Maschinen sind unter anderem Tafelscheren, Spaltanlagen, Schwenkbiegemaschinen, Segment-Biegemaschinen, Rundbiegemaschinen sowie kombinierte Zuschnitt- und Bearbeitungsanlagen.
Ergänzend kommen Handwerkzeuge wie Blechscheren, Falzzangen, Hämmer und weitere Formwerkzeuge zum Einsatz.
Die geeignete Ausstattung richtet sich nach den zu verarbeitenden Werkstoffen, Materialstärken, Bauteilabmessungen und Stückzahlen. Für eine präzise Serienfertigung werden zunehmend digital gesteuerte Maschinen verwendet.
Worauf ist in der Praxis zu achten?
Bei der Blechbearbeitung müssen die Eigenschaften des jeweiligen Werkstoffs berücksichtigt werden. Materialdicke, Festigkeit und Umformbarkeit beeinflussen beispielsweise die erforderlichen Einstellungen beim Schneiden und Biegen. Auch zulässige Biegeradien und die Wärmeausdehnung können für die spätere Funktion eines Bauteils von Bedeutung sein.
Empfindliche oder beschichtete Oberflächen sollten während der Bearbeitung vor Kratzern und anderen Beschädigungen geschützt werden. Werkzeuge und Maschinen müssen außerdem für das jeweilige Material geeignet und korrekt eingestellt sein.
Besondere Vorsicht ist an Schneid-, Klemm- und Biegestellen erforderlich. Scharfe Blechkanten können ebenfalls Verletzungen verursachen. Die erforderliche Schutzausrüstung sowie die Sicherheits- und Bedienvorgaben der verwendeten Maschinen und Werkzeuge sind daher zu beachten.
Aktuelle Technik und Entwicklung
Die Blechbearbeitung wird zunehmend durch digitale und automatisierte Fertigungstechnik unterstützt. Moderne Maschinen können beispielsweise Zuschnittmaße, Biegewinkel, Anschlagpositionen und Stückzahlen über digitale Steuerungen verwalten.
Bei wiederkehrenden Bauteilen lassen sich Bearbeitungsabläufe teilweise als Programme speichern und erneut aufrufen. Automatisierte Spalt-, Richt-, Abläng- und Biegesysteme können zudem mehrere Arbeitsschritte miteinander verbinden.
In Kombination mit digitalen Aufmaß- und Planungssystemen lässt sich die Fertigung vom Aufmaß bis zum fertigen Blechbauteil zunehmend durchgängig planen. Dadurch können wiederkehrende Arbeitsschritte vereinfacht, Rüstzeiten reduziert und Zuschnitte reproduzierbar hergestellt werden.

